GABÁNYI´S BLOG


Was für ein Whisky! Ich bin ja nun schon sehr lange bekennender Ardbeg-Junkie, aber was die Jungs von der Insel Islay hier herausgebracht haben, haut selbst mich wieder vom Stuhl – und das nicht nur wegen der deftigen 58.9 Vol.-% Alkohol. Ardbeg liefert seit je die torfigsten aller schottischen Whiskys, dem neuen Supernova allerdings spendierte man nochmal die doppelte Menge an Torfrauch. Nichts für Weicheier also, aber auch keine eindimensionale Rauchbombe: duftige Fruchtaromen und feine Schokolade- und Ledernuancen runden den mächtigen Auftritt ab und verbinden sich in einem Abgang, der an Kraft, Süße und vor allem Länge nichts zu wünschen übrig lässt – ein echter Steher (um die  € 80.- im Fachhandel).

Selbstverständlich gibt es auch hier wieder Leute, die etwas zu meckern haben. Von mangelnder Reife ist da die Rede, und tatsächlich enthält die Supernova wohl kaum Destillate, die älter als acht Jahre sind. Aber gerade das ist auch ein Grund für die knackige Wucht dieses Whiskys.

Wer nun partout nichts für derart jugendliche Wildheit übrig hat, der wird bei Ardbegs Nachbarbrennerei Laphroaig fündig.  Deren neuer 18-Jähriger kommt zwar mit deutlich weniger Alkoholpower (48 Vol.-%, € 65.-), verfügt aber über eine beeindruckende Komplexität und hat immer noch genug Torfaroma, um ungeübte Gaumen abzuschrecken.

Es liegt mir fern hier Aufreißertipps oder gar Benimmregeln aufzutischen.Wer über einen gewissen Charme und Sexappeal verfügt, braucht sich eh nicht an Regeln zu halten, wem beides fehlt, der wird durch allzu korrektes Verhalten auch nicht interessanter. Originalität ist hier gefragt, Persönlichkeit wär’ auch nicht schlecht. Die drückt sich – entgegen landläufiger Auffassung – nicht durch  lustige T-Shirts aus, wie überhaupt alles  Auffällige und Laute nur in Ausnahmefällen, Mickey Rourke zum Beispiel, zielführend ist.


Die Realität sieht anders aus…

Wir Durchschnittsstadtbürger sollten es eher mit zumindest ansatzweise geistreichen Bemerkungen versuchen. So mancher Witz ist aber auch schon nach hinten losgegangen, wie folgende Begebenheit zeit, die sich kürzlich in der Bar ereignete: Da sitzt eine schlanke Dame mit auffallend schönen Haaren mit dem Rücken zum Gastraum. Kommt ein Mann daher, beugt sich zu ihr runter und erklärt, er wollte nur mal schauen, wie sie von vorne aussähe; darauf die Lady: Ich würde jetzt gerne sehen, wie Sie von hinten ausschauen!

Zum Schluß dann doch einige Hinweise:
- mit demonstrativem Hosenhochziehen hat auch noch keiner eine Dame beeindruckt
- Rucksäcke sind innerhalb der Stadtgrenzen nur bis zu einem Alter von etwa 17 Jahren zulässig
- Popstars färben sich die Haare, Männer nicht.

Es gab schon immer Leute, die Kochen und das Mixen von Drinks für wesensverwandt hielten, geht es doch in beiden Fällen um die überzeugende Kombination von Aromen, ein Gespür für Mengenverhältnisse und einiges Wissen über die verwendeten Rohstoffe.

Kein Wunder also, wenn Cocktail-Meister in die Küche wechseln oder Mixologen sich zunehmend an Küchen-Trends orientieren.

Im Extremfall bekommen wir dann Molekular-Cocktails vorgesetzt, also Drinks, die nach dem Vorbild der aktuellen Molekularküchenmode in ihrer Textur verändert, zum Beispiel mit Gelatine verfestigt und dann auf einem Löffel serviert werden, gerne auch verziert mit Gelkügelchen, die durch die Mischung von Alkohol und Natrium-Alginat entstehen.

Da die meisten Gäste ihre Drinks aber bevorzugt in flüssiger Form zu sich nehmen, taugen Molekular-Cocktails allenfalls zum Aperitif in überkandidelten Fresstempeln oder als teurer Party-Gag .

Um einiges seriöser geht es beim Cuisine-style zu: Auf der Suche nach neuen Geschmackskombinationen holen sich immer mehr Mixologen ihre Zutaten aus der Küche. Schon ein paar Salbeiblätter und ein Rosmarinzweig, die im Shaker mitgeschüttelt werden, können beispielsweise einem traditionellen Daiquiri eine erstaunlich neue Würze geben, und so mancher Barmann verwendet jetzt statt der allseits beliebten Minze auch mal Basilikum. Doch damit nicht genug: Gerade von Minze und Basilikum werden heute zahlreiche Varianten angeboten, deren unterschiedliche Aromatik immer neue Kreationen möglich macht. Wie in der Küche so ist nun auch hinter der Bar zunehmend Spezialwissen gefragt, umso mehr, als auch das Spirituosenangebot immer differenzierter wird.

Während beispielsweise das Rezept für einen Gin Smash traditionellerweise nur Mengenangaben für Gin, Minze und Zuckersirup enthält, verlangt eine Cuisine-Style-Version namens Gin Red Basil Smash nach bestimmten Gin-Marken (Tanqueray 10, Bombay Sapphire 47% oder G’Vine) und rotem Basilikum, das um einiges intensiver ist, als die grüne Variante – und das Ganze wird dann auch noch von Bloggern diskutiert (http://bitters-blog.blogspot.com/2008/07/gin-red-basil-smash.html).

Wer nun glaubt, wir hätten es hier mit ein paar hysterischen Wichtigtuern zu tun, der gehe bei Gelegenheit in die famsoe Hamburger Bar Le Lion, deren Chef Jörg Meyer noch einige weitere ausgekochte Rezepturen auf Lager hat. Cheers.

Rye

Wer, bitte, soll das alles trinken? Als gäbe es nicht schon jetzt unüberschaubar viele Spirituosensorten, -Marken und -Spezialitäten, wollen uns die Hersteller ständig von Neuem mit irgendwelchen Kreationen in Versuchung führen. Und wie originell sie mitunter glauben, sein zu müssen: Brauchen wir wirklich Wodka mit  (künstlichem) Birnenaroma, Tequila mit Erdbeergeschmack (Geschmack?), einen dänischen Wodka, der Cuba heißt, einen deutschen Likör namens Ficken, und Whisky aus Österreich oder Bayern?

Gerade Whisky-Trinker sind allerdings nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung. Insbesondere die Freunde schottischer Single Malts können gar nicht genug bekommen von immer neuen Sonderabfüllungen und blättern absurde Summen für  Raritäten hin, selbst wenn der Stoff schon viel zu lange im Fass lag (und also höchstwahrscheinlich holzig oder einfach nur fade schmeckt) oder aus Brennereien stammt, die nicht gerade für Spitzenprodukte bekant sind.

Umso schöner, wenn dann mal etwas wirklich Besonderes herauskommt, so etwas, wie dieser Rye Whiskey aus dem Hause The Bitter Truth. Auch der ist zwar sehr alt (24 Jahre), teuer (€ 180.-) und stammt aus einer Brennerei, die nur Spezialisten ein Begriff ist. Im Glas aber ist er quicklebendig, von einer Kraft und Würze, die einem erstmal den Atem verschlägt – kein Wunder bei 69,2 Vol-%! Sobald der erste Alkoholdampf verflogen ist, eröffnen sich herrliche Aromen wie Bienenwachs und reife Pflaumen, nach dem ersten Brennen auf der Zunge breitet sich ein weicher Geschmack von Honig und Vanille aus, der durchaus an alten Süßwein erinnert. Und schließlich erfüllt eine breite Süße den Mund, ein Abgang, der gar nicht mehr aufhören will.

Whiskeys dieses Kalibers vertragen selbstverständlich ein paar Tropfen Leitungswasser, auch Eiswürfel tun dem Spaß keinen Abbruch, sehr gut eignet sich dieser Rye aber auch für einen Old Fashioned, einen der großen alten Bar-Klassiker, der erstmals in einem Cocktail-Buch aus dem Jahre 1895 erwähnt wurde:

In einem Tumbler ein Stück Würfelzucker mit einem Schuss Leitungswasser auflösen, zwei Spritzer Angostura, ein kleines Stück Zitronen- oder Orangenschale  und 4-5 cl Rye dazu, Eiswürfel rein und dann gut verrühren bis das Eis etwas Schmelzwasser abgibt.

Das einzig Negative an diesem Whiskey ist, dass es nur 240 Flaschen davon gibt (und die erste Kiste davon ist schon weg, das weiß ich mit Sicherheit).

Zu haben nur bei: www.drinkology.de

Selbstverständlich läßt man sich  vom Barmann seines Vertrauens – und den sollte jeder Mann haben – gerne raffinierte Cocktails mixen, viele dieser kunstvollen Kreationen sind aber für den Hausgebrauch zu aufwändig in der Herstellung. Wer sich also an der Hausbar (siehe Blog-Eintrag vom 7. August) selbst versorgen will, sollte sich ein paar Rezepte aneignen, die mühelos zuzubereiten aber dennoch von großer Wirkung sind.

Brandy Stinger, ein formidabler Nightcap der in den 1920ern in New Yorker Salons Furore machte und dann auch in Hollywood, wie man in dem Bing Crosby/Grace Kelly-Klassiker „High Society“ sehen kann:
4 cl Cognac mit 2 cl weißem Pfefferminzlikör im Tumbler auf Eis verrühren, fertig. Das Verhältnis von Cognac zu Likör kann man je nach Geschmack variieren, wichtig ist allerdings, dass man nur erstklassige Zutaten verwendet. Meine Favoriten sind Frapin VSOP Cognac und Menthe Pastille von Giffard, ein herrlicher Minzlikör, den man an heißen Sommertagen auch pur auf Eis trinken kann (zu beziehen über http://www.barfish.de/)

Zaza, auch dies ein altes Rezept, benannt nach einem Broadway-Stück, das 1895 Premiere hatte:
2 cl Gin mit 4 cl Dubonnet im Tumbler auf Eis verrühren, eine Orangenzeste  hinein und schon hat man eine gefährlich süffigen Apéritif. Gute Gins wären hier (wie immer) Tanqueray oder Martin Miller’s Westbourne (Bezug wie oben).

Churchill, ein Drink für Fortgeschrittene:
2 cl Calvados Boulard und 3 cl Chartreuse jaune im Tumbler auf Eis verrühren; auch hier kann man das Verhältnis von Spirituose und Likör je nach Geschmack variieren; wem diese Mischung zu intensiv ist, der fügt noch etwas weißen Vermouth und einen großzügigen Schuß Soda hinzu.

Pünktlich zum Kinostart jedes neuen Bond-Films erscheinen allerorten die üblichen Artikelchen über den Martini Cocktail, immer wieder das gleiche Gedöns, gerührt oder geschüttelt, über den gar so maskulinen King of Drinks. Dabei spielt es anscheinend keine Rolle, dass das Originalrezept aus Ian Flemings „Casino Royal“, eine geschmacklich eher fragwürdige Killer-Mischung von Gin, Wodka und Lillet (einem weinhaltigen Aperitif aus Frankreich) ist. In späteren 007-Romanen bestellt Bond dann gleich Vodka Martini, der im Laufe der Zeit zum kalt gerührten Wodka pur mutierte, mit dem amerikanische Mittelklasse-Bürohengste ihrem faden Dasein etwas Pep zu verleihen versuchten.

* Mit Dr. No (1962) ging der Vodka Martini Hype los

Auch nicht besser waren die Martini-Variationen, die uns die 1990er Jahre berscherten: Chocolate Martini oder Appletini (warum nicht gleich Apfelkorn?) und all diese Wodka-Cranberry-Mischungen, die man getrost den Mädels überlassen sollte – ebenso wie übrigens alles, was mit Aperol gemixt wird. Finger weg, Gentlemen!

* Für Weicheier: Cosmopolitan

Heute gilt wieder: Wenn Martini, dann mit Gin, und wem das Originalrezept mit Vermouth zu traditionell ist, der versuche es mit der derzeit in der New Yorker Hipster-Bar Death & Co (siehe Blog-Eintrag Speak Easy) populären Variante, dem Perfect Ten Martini: 6 cl Tanqueray N° 10, 2 cl Manzanilla Sherry, 1,5 cl Strega (ital. Kräuterlikör) auf viel Eis ca. 10 Sekunden verrühren – keine Angst vor Schmelzwasser: Etwas Verdünnung macht diesen Drink erst zum Hochgenuss.

In eine Martinischale abseihen und den Glasrand mit einer Grapefruitzeste abreiben.

* Zurück zum Wesentlichen!

Ob in Berlin, London oder New York – kleine Bars werden immer beliebter. Dabei geht es nicht um familiäre Gemütlichkeit, eher im Gegenteil: gutes Benehmen, konzentriertes Trinken und Exklusivität sind hier gefragt. Besonders streng sind die Sitten in New York, wo Bars im Speak-Easy-Stil der Prohibitionszeit zunehmend von sich reden machen. Wie ihre historischen Vorbilder aus den 1920ern sind sie schwer zu finden – um beispielsweise ins PDT („Please don‘t tell“) im East Village zu kommen, muss man in einen kleinen Hot-Dog-Laden eintreten, dort die Telephonzelle aufsuchen und eine bestimmte Nummer wählen. Erst dann öffnet sich eine Wand und man findet Einlass.

Einige Strassen weiter versteckt sich das winzige Angel‘s Share im Hinterzimmer eines japanischen Restaurants. In eigenartig zusammengewürfeltem Dekor werden hier feinste asiatische Cocktails und Snacks gereicht, die Regeln sind streng und auf einem Schild neben dem Eingang zu lesen: „Achtung! Nicht mehr als 4 Personen pro Tisch. Nicht Stehen. Nicht schreien oder rumbrüllen. Danke für Ihre Kooperation. Enjoy your quality time“. Das Angel’s Share war wahrscheinlich die erste New Yorker Bar mit derartigen Vorschriften, und dass diese auch eingehalten werden, davon weiß Hollywood Star Bill Murray ein Lied zu singen, der einmal abgewiesen wurde, weil er einen Tisch für 5 Personen erfragte.

Auch im nahe gelegenen Death & Co. gibt es nur Vierertische, zusätzlich gilt: keine Baseball-caps, keine Mobiltelephone, ja nicht einmal Kaugummis. „Wir möchten die Gäste in eine andere Welt führen“ heißt es als Begründung von der Geschäftsführung, und das Zentrum dieser Welt sind Drinks von außerordentlicher Qualität. Die Martini-Interpretation von Barman Brian Miller beispielsweise (Gin, Sherry und Liquore Strega) sucht selbst hier in der Hauptstadt des Martinis ihresgleichen.

Zu den (ungeschriebenen) Gesetzen dieser und anderer Trend-Bars gehört es übrigens, dass man seinen Martini nicht mit Wodka bestellen sollte. Auch Cranberrysaft ist hier nicht mehr comme il faut, und wer nach gar Red Bull fragt muss mit völliger sozialer Isolation rechnen.

Als härtester Hund der New Yorker Szene gilt Sasha Petraske, ein begnadeter Mixologe und Chef des Milk & Honey an der Lower East Side. In diese kleine Spelunke kommt man nur mit Empfehlung eines Stammgastes und nach telefonischer Anmeldung (die Nummer ändert sich ständig); getrunken wird auch hier nur im Sitzen, und selbstverständlich sind Gruppen mit mehr als 4 Personen unerwünscht.

Wie die meisten Speak-Easy-Mixer verachtet Petraske normale Eiswürfel (nicht kalt genug) und schnitzt sich sein Eis aus großen Blöcken zurecht (natürlich nicht aus Leitungswasser, sondern aus Vittel). Neben erstklassigen Spirituosen (für New Yorker Verhältnisse ungewöhnlich generös dosiert) verwendet er eigens angesetzte Infusionen und Tinkturen und verfertig seine Drinks mit ritueller Hingabe. Seine Gäste wissen das zu würdigen, und dementsprechend verpönt sind hier großspuriges Auftreten und jede Art von Anmache. Da hilft auch kein Celebrity-Status, wie unlängst Quentin Tarantino erfahren musste, der wegen ungebührlichen Verhaltens die Tür wies.

Prompt wurde Petraske von der New York Times zu einem der 100 einflussreichsten New Yorker gekürt. Er betreibt mittlerweile drei Bars in der Stadt und lässt sich als Konsultant teuer bezahlen.

Aber nicht nur die Gäste dieser Etablissements haben sich zu fügen, auch die Barmänner unterliegen rigider Aufsicht. Wer im Death & Co. arbeitet, darf weder Wasser noch Bier trinken. O-Ton Brian Miller: „Wir verkaufen Cocktails also trinken wir sie auch; wer was anderes will, soll in eine Hotel Bar gehen“.

ist und bleibt der hellste Stern am Alkohol-Himmel. Kein noch so guter Winzersekt kann es mit ihm aufnehmen, und auch der teuerste italienische Schaumwein wird nie jenen Sex-Appeal verströmen, für den Champagner auf der ganzen Welt so geschätzt wird.

Bereits im 17. Jahrhundert delektierte man sich in London an schäumenden Weinen aus der Champagne. Wie schon der echten Perle – seit der Antike als wertvollstes aller Schmuckstücke verehrt – schrieb man auch den zarten Perlen im Wein aphrodisierende Wirkung zu.

Im laufe der nächsten Jahrhunderte infizierten sich dann  Fürstenhäuser und Industriebarone in ganz Europa mit dem Champagnervirus. Der Löwenanteil ging noch immer nach England, doch auch der neuen Großmacht Russland war nach feiern zumute. Nicht nur die Zaren, auch die Groß- und Dichterfürsten des Landes spülten ihren Wodka jetzt mit Champagner runter, vorzugsweise im St. Petersburger Grand Hotel Europe, wo Turgenjew und Dostojewski ihren Kummer ertränkten oder gleich im Maxim‘s, dem Pariser Belle-Epoque-Tempel, in den die Russen einfielen wie heute ihre Nachkommen an der Cote d‘Azur. Der Champagner, der hier im Strömen floß, war um einiges süßer als alles, was heute unter diesem Namen angeboten wird. Für Russland wie auch für den deutschen Markt wurden extra süße Champagner abgefüllt. Selbst in Frankreich  bevorzugte man  Weine in der Geschmacksrichtung „doux“, die dort traditionell zum Dessert und zu Früchten getrunken wurden.

Die Wende zum Trockenen kam selbstredend aus England. Als Trendsetter galt Queen Victorias Sohn Albert „Bertie“ Edward, der nachmalige König Edward VII, der in den langen Jahren als Kronprätendent ausreichend Gelegenheit hatte, seiner Leidenschaft für die französische Lebensart zu frönen.  Es heißt, er habe sich selbst bei der Jagd stets eine Flasche gekühlten Champagner hinterher tragen lassen.

Berties Vorliebe für trockenen Champagner traf den Nerv seiner Zeit, einer vergleichsweise friedlichen von  wirtschaftlichem Aufschwung geprägten Epoche, die sich  von den Fesseln viktorianischer Moralvorstellungen löste und in der eine aufstrebende Mittelklasse von gesellschaftlicher Anerkennung träumen konnte. Nichts verlieh dieser Stimmung besser Ausdruck als Champagner, flüssige Euphorie, die noch dem drögsten Langweiler so etwas wie Esprit verleihen kann.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, nicht zuletzt dank  der außerordentlichen Zugänglichkeit des edlen Tropfens. Man muß kein Weinkenner sein, ja noch nicht einmal besonderen Gefallen an Alkohol finden, um der Eleganz und Finesse von Champagner zu erliegen. Genau das macht ihn auch so gefährlich für unerfahrene Trinker:  Champagner enthält nicht weniger Alkohol als ein durchschnittlicher Weißwein, allerdings gelangt dieser Alkohol durch die wunderbaren kleinen Luftbläschen sehr viel schneller ins Blut als bei Stillwein. Besonders fatal wirkt das bei Champagner-Cocktails, die unter Verwendung von Spirituosen zubereitet werden, vom traditionellen „French 75“ (2 cl Gin, 1 cl Zitronensaft und etwas Zuckersirup auf Eis schütteln, abseihen und mit Champagner auffüllen) bis zu K.O.-Tropfen vom Schlage eines „Russian Roulette“ (Champagner mit einem Schuss Chartreuse) oder dem nach seinem Erfinder benannten, absinthgeschwängerten „Hemingway“. Wem das dann doch zu heftig ist, der bereite sich einen „New Orleans Eye-Opener“: einfach etwas Cheyenne Pfeffer über den Champagner, fertig ist der Frühstücks-Cocktail.

Imagebewußte Pur-Trinker dagegen bevorzugen heute so genannte Prestige-Cuvées, hochwertige Abfüllungen besonders ausgereifter Weine, die am zuverlässigsten jene betörende Balance aus weiniger Fruchtigkeit und subtilem Hefearoma liefern, die Champagner so belebend und einzigartig macht und die in England als „the zing“ verehrt wird.

In Londoner Bars wird auch Rosé Champagner schon lange als zuverlässiges Glamour-Accessoir gehandelt, eine Mode, die sich in Deutschland erst zögerlich durchsetzt. Allzu lange wurde er hierzulande ob seiner mitunter eher aufdringlichen Fruchtigkeit als Mädchenbrause geschmäht. Tatsächlich besitzen aber die höherwertigen Rosés durchaus  Charme, ganz abgesehen davon, dass Champagner in Gesellschaft von Damen immer noch am besten schmeckt – wie sagt der Brite: „Good on its own, and nowhere better than at parties for two“!

http://champagner.com/champagner-haeuser.html

Das weltweit virulente Cocktail-Fieber in Verbindung mit dem Rauchverbot in Bars bringt eine alte Gentleman-Tradition wieder zum Leben: die Hausbar. Als halbwegs zivilisierter Gastgeber muss man heute schon mehr zu bieten haben, als Wein und Bier, nicht zu reden von lausigem italienischen Perlwein. Das mindeste ist ein anständiger Aperitif, und der erfordert etwas mehr Aufwand, als bloßes Flaschenöffnen.

Das Herz einer Bar ist der Kühlschrank. Nur ein kalter Cocktail ist ein guter Cocktail und deshalb sollten Flaschen und Gläser so kühl wie möglich aufbewahrt werden. Das Eisfach kann man allerdings vergessen. Die Standardeiswürfel aus dem Froster sind gerade mal gut genug für den Flaschenkühler (oder ein sommerliches Fussbad), für einen ordentlichen Drink braucht man große, trockene Würfel, die gut kühlen und langsam schmelzen.

Wenn möglich holt man sich das Eis vom Profi (googeln Sie ice factory für einen Lieferanten in Ihrer Nähe), auch viele Tankstellen und gut sortierte Lebensmittelmärkte bieten abgepacktes Eis an.

Die Barkeeper-Avantgarde in Berlin, London, New York und Tokio favorisiert derzeit Blockeis, aus dem die passenden Brocken herausgepickelt werden; das können Sie getrost den Profis überlassen, es sei denn Sie haben sehr viel Zeit, viel Platz und jemanden, der hinter Ihnen aufwischt.

Shaker und Rührglas: sehr viele Drinks lassen sich einfach im Rührglas herstellen, sobald aber Fruchtsäfte, Ei oder Sahne ins Spiel kommen ist kräftiges Schütteln angezeigt. Hier empfiehlt sich ein dreiteiliger Boston Shaker mit Metallbecher, Mixglas und Strainer zum Abseihen. Elektroblender sind nur nötig, wenn man größere Mengen frischer Früchte verarbeiten will – für Erbeer-Margaritas beispielsweise und ähnliche Provinzmixturen. Einige Fruchtstücke reichen völlig aus, um einem modernen Sommerdrink wie dem Ginza Shakerato zu seinem vollen Aroma zu verhelfen:

- dazu zerdrückt man 3-4 Würfel frische Wassermelone (ca. 3×3 cm) zusammen mit etwas Rohrzucker im Shaker, gibt Eis und 6 cl Sake hinzu, schüttelt das Ganze mit viel Kraft und seiht es in eine Cocktailschale ab.

Was man wirklich braucht, ist ein Sodasiphon. Selbst das teuerste Sprudelwasser ist noch zu grob, um einem Gin-Fizz oder Americano jenen süffigen Schwung zu verpassen, den ein paar Spritzer Soda gewährleisten. Gängige Siphons sind einfach mit Patronen zu befüllen und in Küchenfachgeschäften zu finden. Sie sind nicht nur unverzichtbar, sondern auch ein Schmuckstück an jeder Bar.

Das gilt natürlich auch für Gläser: das unüberschaubare Angebot und der Originalitätszwang, unter dem viele Hersteller zu stehen scheinen, läßt hier nur eine Devise zu: Keep it simple. Mit Martiniglas, Champagnerkelch und drei unterschiedlich hohen Bechergläsern (Old Fashioned Glas, Tumbler und Longdrinkglas) ist man ausreichend gerüstet; zum Pur-Trinken hochwertiger Spirituosen empfehlen sich kleine, bauchige Nosing-Gläser, deren Öffnung gerade mal weit genug ist, um die Nase reinzuhalten. Dieses Glas ist das einzige, das Zimmertemperatur haben sollte, alle anderen gehören, wie gesagt, in den Kühlschrank.

Das im wahrsten Sinne des Wortes coolste Cocktail-Gefäß ist ein Silberbecher. Nichts kühlt einen Drink zuverlässiger und nichts sonst verleiht ihm diese gewisse Old-School-Eleganz, die an britische cabinets erinnert, jene vertraulichen Herrenzimmer – Vorläufer unserer Hausbar – in denen sich die Gentlemen des 19. Jahrhunderts alkoholischen Genüssen hingaben. Hier entstand wohl auch so ein wunderbarer Drink, wie der Prince of Wales, ein Favorit des nachmaligen King Edward VII:

- in einem Silberbecher ein Stück mit Angostura getränkten Zuckerwürfel und einige Würfel Eis geben, 2 cl Cognac dazu, sowie ein Orangenviertel und eine Stilkirsche; mit Champagner auffüllen und 1 cl Bénédictine langsam darüberfließen lassen.

Was man sonst noch braucht: eine Saftpresse (ein perfekter Cocktail läßt sich nur mit frisch gepressten Säften herstellen), ein scharfes Messer, Messbecher und einen Rührlöffel.

Und Spirituosen natürlich, aber auch hier gilt keep it simple. Eine Hausbar ist kein Flaschenfriedhof für all das, was sich im Laufe der Zeit so ansammelt. Von den Grundspirituosen Gin, Wodka, Whisky, Tequila, Rum und Cognac reicht jeweils eine Flasche und die muß nicht aus dem obersten Preissegment stammen – was zählt, ist der persönliche Geschmack. Außerdem braucht man Vermouth (rot und weiß) und Campari, diverse Liköre und Bitters (mehr dazu findet sich in den unten empfohlenen Quellen); sehr schick ist neuerdings Sake, dessen leichte Würzigkeit erstaunlich gut mit den verschiedensten Aromen harmoniert.

Und dann natürlich noch Champagner - nicht nur zum Aufgießen eines Prince of Wales, sondern auch für all jene, denen die ganze Mixerei dann doch zu viel Aufwand ist – Champagner geht immer (dazu demnächst mehr).

Rezepte, Warenkunde und Bezugsquellen:

Charles Schumann „American Bar“ Collection Rolf Heyne

http://www.tedhaigh.com/cocktail.html
http://digital.diffordsguide.com/1/Home/Home.html
http://www.drinkboy.com/
http://www.ardentspirits.com/Newsletter/index.html
http://www.schumanns.de/deutsch/frame/frame.html